Locke bei der Gartenarbeit

viele unserer älteren Gäste, die arbeits- und/oder sogar obdachlos geworden sind, haben keine Perspektive mehr. Sie verlassen kaum St. Pauli und sind teilweise schon seit Jahren nicht mehr im „Grünen“ gewesen. Diese Menschen waren unsere Zielgruppe, als wir daran dachten, uns einen Garten anzulegen. Dort sollten in eigener Verantwortung Gemüse und Blumen angepflanzt und natürlich auch gemeinsam gegrillt werden.

Über zweckgebundene Spenden kam ein Betrag zusammen, der es uns erlaubte, die Idee in die Tat umzusetzen. Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis wir einen Garten in der richtigen Größe mit Anbindung an die S-Bahn und uns wohl gesinnten Nachbarn gefunden hatten. Der Garten war schön angelegt mit viel Rasen, Bäumen, Sträuchern und einer schmucken Laube.

An einem schönen Frühjahrstag wurde der Transporter vollgeladen mit Gartengeräten, Kaffeemaschine, Wasserkocher und Geschirr und los ging es. Die Hobbygärtner waren total begeistert und machten sofort Pläne, wo, was, wie, wann angebaut werden sollte. Die „Starken“ gruben den Garten um, die  „Schwächeren“  kümmerten sich um die Reparaturen und die Ausstattung der Laube. So wurde die Laube gestrichen, Rasen gemäht, Terrasse vom Moos befreit und nach getaner Arbeit saß man zusammen und pflegte die neu entstandenen Kontakte und Freundschaften.

Im April dann wurden junge Gemüsepflanzen und Samen gekauft und nach Pflanzplan eingesetzt oder eingesät. Inzwischen hatte von allen unbeobachtet eine Hasenfamilie den frisch gedeckten Teller entdeckt und sich das neu angepflanzte Gemüse schmecken lassen. Die Gärtner ließen sich nicht entmutigen und zogen erst mal einen Hasenzaun. Die nächste Pflanzrunde wurde eingeläutet und bald begann es überall zu sprießen und zu blühen.

Mit unseren Gartennachbarn war schnell Kontakt geschlossen und man half sich selbstverständlich aus. Im Sommer veranstalteten wir ein Grillfest zusammen mit unseren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und natürlich unserem Chor, der bei dieser Gelegenheit zur Freude aller ein paar Lieder sang.

Die Ernte konnte sich sehen lassen und unsere Küche hat sich gefreut. Schade dass der Sommer so schnell vorbei ging. Die Stimmung im Herbst war fast melancholisch zu nennen und jeder redete nur vom Frühjahr 2011. Sobald die Tage wärmer werden, ist unsere Gartenmannschaft wieder da – versprochen.